Vom Film zum Musical
Roman Polanski beschreibt in seiner Biographie "Roman by Polanski", wie er mit Gerard Brach das "Vampire" - Script vorbereitete. Sie hatten so oft in Filmen gesessen, die erschreckend sein wollten, während das Publikum in schallendes Gelächter ausbrach. Ihr Horrorfilm sollte "freiwillig komisch" sein, keine Parodie, sondern ein Märchen, das auf angenehme Art Angst macht. Sie konzipierten von Anfang an den Professor Abronsius als "eine Art schneeüberzuckerten Albert Einstein", und die Vampire sollten das Stereotyp verlassen und Sorgen haben, wie du und ich, ein jüdischer Vampir, ein homosexueller etc. Die kindliche Lust, Angst zu haben, ohne in Gefahr zu sein und zugleich über die eigene Ängstlichkeit zu lachen, sollte befriedigt werden. Polanski selbst sollte nicht nur Regie führen, sondern erstmals auch eine Hauptrolle, die des Assistenten Alfred, übernehmen, da er nicht nur die idealen Voraussetzungen für die Rolle mitbrachte, sondern sich auch im Schnee absolut in seinem Element fühlte. - Und im Schnee mußte es spielen. Die Vorstellung war: Schnee, Vampire, Blut und Schnee. Nachdem eine wunderbare Location in den österreichischen Alpen gefunden worden war, ein Schloß im Schnee, kam am Abend vor der Abfahrt der gesamten Crew aus London die Hiobsbotschaft: Der ganze Schnee geschmolzen! So wurden in den Dolomiten die Außenschauplätze abgedreht, und das Schloß mußte im Studio aufgebaut werden. Polanski kam aber dennoch dazu, seine Stunts im Schnee selbst zu machen.
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Andrew Braunsberg war später in Hollywood Polanskis Partner und Produzent. Mehr als zwanzig Jahre danach verfolgte er in Wien die Idee, aus dem Stoff ein Bühnen-Musical zu produzieren. Voraussetzung war nicht nur die Einbindung Roman Polanskis bei der Umsetzung des Filmstoffes auf die Bühne, sondern auch als Regisseur der Uraufführung. Danach lag die wichtigste Entscheidung für Intendant Rudi Klausnitzer bei der Lösung zweier Probleme: Autor und Liedtexter mußte aus der Bildersprache' Films Szenen, Songs und Chöre formen; und Komponist die spezielle Atmosphäre des Stoffes aufgreifen, die Charaktere musikalisch umsetzen und mehr als zwanzig Musiknummern in verschiedenen Stilen Instrumentierungen mit Leitmotiven, mit Gesangs-Tanzlinien, zu einer Partitur in eigener Handschrift zusammenführen. Mit Michael Kunze und Jim Steinman wurde diese Lösung gefunden. Nachdem die szenischen und musikalischen Konturen der Show klar waren, kamen die "Designer" hinzu: der Olivier-Award-Preisträger William Dudley - unter anderem bei großen Opernproduktionen in Bayreuth und Salzburg tätig - als Bühnenbildner, und Sue Blane, die neben vielem anderen die Ur -"Rocky Horror Show" (auch im Film) ausgestattet hatte und mit Peter Greenaway ( "Kontrakt des Zeichners" gemacht hatte, für den Entwurf der Masken und Kostüme. Neben den sorgfältigen Auditions, bei denen in Wien, Hamburg, Frankfurt, Berlin aus über 600 Bewerbern das Ensemble zusammengestellt wurde, entwickelten die Designer Werkstattvorlagen für das Bühnenbild und Fertigung von rund 220 Kostümen und Perücken.